Historie

Die Keimzelle der heutigen Theodor Fliedner Stiftung war die "Pastoralgehülfen- und Diakonenanstalt", die der evangelische Pastor Theodor Fliedner 1844 in Duisburg gründete, und die bereits vier Jahre später in eine eigenständige Stiftung, die "Diakonenanstalt Duisburg", umgewandelt wurde. Sie ist die zweitälteste Diakonenanstalt Deutschlands.
Die "Diakonenanstalt Duisburg" war Ausbildungsstätte männlicher Diakone. Sie ging zurück auf die Anregung und das Vorbild des Hamburger Pastors und Begründers der Inneren Mission, Johann Hinrich Wichern, der das berühmte "Rauhe Haus" in Hamburg als Heimstätte für verwahrloste männliche Jugendliche gegründet hatte und hierfür männliche Helfer ausbildete. Ziel der Diakonenanstalt war die Ausbildung und Aussendung von Hilfsdiakonen als Hausväter in Heimen, von Verwaltern, Krankenpflegern und Mitarbeitern in der offenen Sozialarbeit. Aus ihr ging auch die heutige Diakoniegemeinschaft e.V. hervor.
Im Laufe der Zeit übernahm die Diakonenanstalt Duisburg ständig neue Arbeitsfelder: Krankenpflege, Kinderfürsorge, Waisenhäuser im ostpreußischen Masuren, Armenfürsorge, innere Mission, Arbeit in Gefängnissen, Trinkerbetreuung und auch die Bekämpfung der Seuchen Cholera, Pocken und Typhus, die Ende des 19. Jahrhunderts das Rheinland, Westfalen und Ostpreußen heimsuchten. Die Einsatzorte reichten über die Grenzen Europas hinaus bis nach Chile, Nordamerika und Indien. Bis zum 1. Weltkrieg wuchs die Zahl der Diakone und Zweigeinrichtungen, die über das gesamte damalige "Deutsche Reich" verstreut waren. Einige diese Einrichtungen gehören noch heute zur Stiftung. Von "Haus Siloah" (1879), wohl die älteste Suchtklinik Europas, gingen wichtige Impulse für die Arbeit mit suchtkranken Menschen aus. Sie gehört heute zum Fliedner Krankenhaus Ratingen Lintorf. Im 2. Weltkrieg wurden alle Gebäude im Gründungsort Duisburg zerstört. Die Arbeit wurde von Mülheim her vollkommen neu aufgebaut.
Das heutige Gesicht der Stiftung ist von dem Neuanfang geprägt, der zu Beginn der achtziger Jahre einsetzte. Seither ist die Anstalt zu einer modernen sozialen Einrichtung umgestaltet worden. Mit dem Ende der DDR übernahm und erbaute sie auch Alten- und Behinderteneinrichtungen in den neuen Bundesländern. Die Stiftung ist heute vorbildlich in vielen Bereichen tätig: In der Behindertenarbeit, in der Altenpflege, in der Psychiatrie und Psychotherapie sowie in Ausbildung, Forschung und Lehre. Eine Besonderheit ist die Abkehr von herkömmlichen Heimen hin zu integrativen Wohn- und Lebensformen. Eine weiteres Merkmal ist die wissenschaftliche Ausrichtung, die in mehreren Kooperationen mit Universitäten zum Ausdruck kommt.
Im Juli 2001 hat die Stiftung eine veränderte Satzung erhalten. Sie ist seither – ihrer überregionalen Ausrichtung entsprechend – zur Evangelischen Kirche in Deutschland gehörig und damit Mitglied in allen Landeskirchen, in deren Bereichen sie tätig ist.