Immer mehr psychisch belastete Menschen nutzen KI-Anwendungen wie ChatGPT, um mit ihren Problemen umzugehen – häufig außerhalb des therapeutischen Settings und bislang wenig thematisiert. Der Vortrag gibt zunächst einen kurzen Überblick über aktuelle Forschungsbefunde zur KI im Kontext psychischer Gesundheit. Im Zentrum stehen Ergebnisse aus eigenen praktischen Untersuchungen aus der ambulanten Versorgung im Rahmen von qualitativen Interviews und einer begleitenden Umfrage zur KI-Nutzung durch Patient:innen. Vorgestellt werden drei zentrale Nutzungsmotive: instrumentell (Informationssuche), reflektiv (Selbst- und Fremdverstehen) und relational (emotionale und soziale Bedürfnisbefriedigung). Anhand von Fallbeispielen werden Chancen, Risiken und ethische Spannungsfelder diskutiert. Ziel des Vortrags ist es, Kolleg:innen dafür zu sensibilisieren, wie bedeutsam KI für viele Patient:innen bereits ist – und wo darin neben Risiken auch therapeutische Potenziale und Gewinn liegen.
Referent: Dr. rer. nat. Till Langhammer, Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis mit Schwerpunkt Gruppenpsychotherapie sowie Psychotherapieforscher in der Forschungsgruppe PREACT (KI-gestützte Vorhersage von Therapieverläufen) an der Humboldt-Universität zu Berlin
Die Zertifizierung der Fortbildung bei der Psychotherapeutenkammer ist beantragt. Anmeldung unter Angabe der EFN (für Fortbildungspunkte) erbeten.