Vertrauen hilft gegen Stress
Offenheit und gemeinsame Ziele beeinflussen das seelische Wohlbefinden

"Misstrauen ist ein verlässliches Rezept für Stress“, anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April wirbt Prof. Dr. Barbara Wild, Chefärztin der Fliedner Klinik Stuttgart, für mehr Vertrauen in persönlichen und beruflichen Beziehungen. Sie sieht darin eine Stellschraube für seelisches Wohlbefinden. Insbesondere Führungskräfte sieht sie dabei in der Pflicht: „Vertrauen muss man vorleben. Durch aktives Zuhören und das Ernstnehmen von Wünschen.“

Misstrauen stresst uns. Das gilt nicht nur für Misstrauen gegen uns, sondern auch für unser eigenes Misstrauen gegenüber anderen Personen. „Wir bauen damit Ängste auf, erhöhen unser inneres Stressniveau und verunsichern uns selber“, erklärt Psychiaterin Barbara Wild „das ist ein gutes Rezept zum Scheitern – was wieder neues Misstrauen hervorruft.“

Misstrauen im Job mit Offenheit begegnen

Barbara Wild kennt diese Prozesse aus ihrer Arbeit als Chefärztin in der Fliedner Klinik Stuttgart: „Insbesondere Angst- oder Zwangspatienten leiden sehr unter diesem Teufelskreis, indem sie negative Erlebnisse immer wieder mit ihrer eigenen Erwartung in Verbindung setzen. Den gleichen Mechanismus sehen wir aber auch bei Menschen, die ihr Berufsleben als belastend empfinden.“ Dieser Teufelskreis könne durchbrochen werden, wenn man Vertrauen aktiv übe. „Vertrauen entsteht dann, wenn gegenseitige Klarheit über Ziele und Bedürfnisse herrscht. Das kann man sich zu Nutze machen“. Barbara Wild rät, einen offenen Umgang mit KollegInnen und Vorgesetzten zu pflegen, Ziele gemeinsam festzulegen und transparent zu machen. Insbesondere Führungskräfte sieht sie dabei in der Pflicht: „Vertrauen muss man vorleben. Durch aktives Zuhören und das Ernstnehmen von Wünschen.“

Informiertes Vertrauen statt blindes Vertrauen

Und was, wenn man  mal nicht auf der sprichwörtlichen ‚gleichen Wellenlänge‘ mit seinem Gegenüber ist? „Vertrauen hat etwas mit Nähe zu tun. Wenn wir künstlich probieren, das herzustellen, kann sich das falsch anfühlen“, weiß Psychiaterin Wild. „Vertrauen ist Beziehungssache: Gemeinsamer Humor oder die Fokussierung auf gemeinsame Zielvorstellungen können hier helfen.“ Grundsätzlich gelte aber: Blindes Vertrauen ist auch keine Lösung. Informiertes Vertrauen hingegen schon. „Fragen Sie sich, wo Ziele und Motivation zusammenpassen, an welchen Stellen Sie noch kein Vertrauen aufbauen können und warum. Dann erlangen Sie Sicherheit über Ihre Beziehung.“

Individuelles Vertrauen als Stütze

Gleichzeitig wirbt die Psychiaterin dafür, Vertrauen nicht nur im Außen zu suchen. „Selbstvertrauen ist die Grundlage für vertrauensvolle Beziehungen mit anderen.“ Und auch das kann man lernen. „Lernen Sie sich selber mit ihren Problemen und Stärken kennen. Dafür ist die Wahrnehmung der eigenen Gedanken und des eigenen Körpers gleichermaßen wichtig. Yoga oder Meditation aber auch Ausdauersportarten können diese Beziehung zum Selbst trainieren.“ Letztlich gelte aber ein einfacher Grundsatz: „Vertrauen hat immer auch etwas mit Wagnis zu tun. Wäre das nicht so, würde es sich ja um Sicherheit handeln.“