Therapieformen
Die Fliedner Klinik Berlin bietet ein breites Spektrum modularer Therapieformen an. Allen gemeinsam ist, dass sie den Maßstäben der Evidenced based Medicine folgen, also klar ergebnisorientiert arbeiten.
Die Verhaltenstherapie ist eine auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Psychologie beruhende Psychotherapieform, bei der mit dem Patientin gemeinsam Strategien zur Überwindung der derzeitig bestehenden Probleme erarbeitet werden. Hierzu wird im Rahmen der Problemanalyse genau erörtert, wie es zu den belastenden Symptomen kam, um dann daraus eine gezielte und schnell wirksame Behandlungsmethode abzuleiten. Der Patient hat bei dieser Therapieform eine aktive Rolle, er ist sich bei jedem Schritt des Therapieprozesses im Klaren darüber, warum etwas in der Therapie passiert und er arbeitet selbstständig an der Überwindung seiner Probleme.
Diese Therapieform beruht vor allem auf der Klärung und Bearbeitung von Konflikten des Patienten im Rahmen einer intensiven therapeutischen Zweierbeziehung, zuweilen auch im Rahmen von Gruppensitzungen.

Die Psychopharmakotherapie ist für die Behandlung psychischer Störungen unverzichtbar geworden und schafft bei bestimmten psychiatrischen Erkrankungen überhaupt erst die Voraussetzungen, dass störungsspezifische Psychotherapien erfolgreich eingesetzt werden können. Durch die Entwicklung neuer, spezifisch wirkender Medikamente in Verbindung mit einer Fülle von neurobiologischen und molekularpharmakologischen Untersuchungsmethoden konnte das Spektrum therapeutischer Möglichkeiten in den letzten 20 Jahren ständig erweitert werden. Wegen der Tendenz zu chronischen und/oder rezidivierenden Verläufen vieler psychischer Störungen gewinnen neben der Akuttherapie (einschliesslich Infusionsbehandlungen) Langzeittherapien und prophylaktische Behandlungen zunehmend an Bedeutung. Die sorgfältige Auswahl des Medikaments und die individuelle Einstellung der notwendigen Dosis unter Beachtung der Lebensqualität des Patienten erfordern umfassende Erfahrungen des Arztes, um die Psychopharmakotherapie im Rahmen eines "Gesamtbehandlungsplans" optimal zu integrieren.

In der Gestaltungs- und Kunsttherapie werden über kreative Medien emotionale Prozesse beobachtbar gemacht. Über die Gestaltung eigener Themen, z.B. im Rahmen der belastenden Symptome kann der Patient neue Aspekte der dabei empfundenen Gefühle entdecken und vielleicht Lösungswege entwickeln, die er durch einfaches „Nachdenken“ nicht finden würde. Über die benutzten Materialien (z.B. Arbeiten mit Ton, Aquarellieren, Erarbeiten von Collagen), ergibt sich so ein direkter Zugang zu unbewussten oder vorhersagbaren Prozessen.

In der Bewegung drückt sich sehr viel der äußeren und inneren Situation eines jeden Menschen aus. Die Bewegungstherapie bietet die Möglichkeit über die Bewegung einen Zugang über die eigene Situation zu finden und auch über neue Körperhaltungen und Bewegungen innere Prozesse zu verändern.

Viele Patienten sind durch die Erfahrung einer psychischen Erkrankung sehr verunsichert: Wie gehe ich mit meiner Erkrankung gegenüber Freunden und Kollegen um? Wie sorge ich dafür, dass ich in der Zukunft besser geschützt bin? Wie erkenne ich schon frühzeitig, dass ich wieder krank werde? Was mache ich dann? Wie kann meine ambulante Weiterbehandlung aussehen? Was ist wichtig?
Diese und andere Fragen werden in der Psychoedukation behandelt. Durch gezielte Informationsvermittlung über psychische Erkrankungen und deren Entstehung sowie die unterschiedlichen Behandlungsansätze wird die erkrankte Person zum 'Experten in eigener Sache'. Dies fördert das Selbsthilfepotential und sensibilisiert für eigene Stärken und Bewältigungsmöglichkeiten.

Im Verlauf von psychischen Erkrankungen verlieren viele Menschen ihre Fähigkeit, Dinge ganz bewusst wahrzunehmen und zu genießen. Genuss ist aber eines der wesentlichen Tore zu unserem Wohlbefinden. In der Genussgruppe wird deshalb ganz gezielt daran gearbeitet, den Genuss wiederzuerlernen.

Ziel ist es, Fertigkeiten (Skills) zu lernen bzw. zu verbessern, mit deren Hilfe Verhaltens-, Gefühls- und Denkmuster verändern werden können, die zu Schwierigkeiten und seelischen Belastungen im Leben führen. In der Gruppe werden Fähigkeiten zur Regulation von Stimmungsschwankungen, zur Spannungs- und Frustrationstoleranz sowie die Fähigkeit zur Achtsamkeit für sich selbst und für andere geübt und gefördert.

Körperliche Fitness nimmt stark Einfluss auf das psychische Wohlbefinden. Leider wird aber gerade dieser Lebensbereich im Rahmen vieler psychischer Erkrankungen vernachlässigt. Wir geben den Patienten hier die Möglichkeit im Holmes Place, einem benachbarten Fitnesscenter (u.a. mit Schwimmbad und Sauna), sich auch gezielt körperlich zu stärken.

Mit seinen verschiedenen körperlichen Übungen(Asanas), Positionen, Atemübungen und Phasen der Tiefenentspannung bietet Yoga die Möglichkeit, die geistige Konzentration und Achtsamkeit zu schulen. Dies zielt auf eine verbesserte Vitalität bei einer Haltung innerer Gelassenheit.

Sehr häufig ist ein zu hohes Anspannungsniveau der Boden, auf dem sich eine Erkrankung entwickelt. Ziel der hier angebotenen Verfahren (Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) ist es, Patienten ein Mittel an die Hand zu geben, wie sie ihre Anspannung selbst reduzieren können. In Einzelimaginationsübungen kann dies durch die Erarbeitung individueller „Bilder“ zusätzlich unterstützt werden.

Als erlebnisorientierte Behandlungsmethode kommen in der Musiktherapie nahezu ausnahmslos Instrumente zum Einsatz, mit denen sich ohne theoretische oder praktische Vorkenntnisse musizieren lässt. Dadurch wird ein spielerisches Herangehen an das Medium frei von Leistungsdruck erleichtert. Für die Patienten unserer Ambulanz bieten wir Musiktherapie im Einzel- oder Gruppensetting auf Selbstzahlerbasis an. Ziele in der Musiktherapie können zum Beispiel sein:
• Wahrnehmen von Ressourcen, Potentialen, Gesundheit
• Förderung von Selbstwert, Selbstvertrauen, und Kontaktfähigkeit
• Spannungsabbau, emotionale Entlastung, Selbstregulation
• Kommunikationsstrukturen hör- und spürbar machen, Kommunikationsfähigkeit verbessern
• Nonverbales Erlernen und Einüben neuer Verhaltens- und Ausdrucksformen, die nach vertiefender verbaler Reflexion auf reale Lebenssituationen übertragen werden können

Wesentliches Merkmal aller psychiatrisch-psychotherapeutischen Verfahren ist es, die neu oder wieder gewonnenen Fertigkeiten zu üben, um sie zu einem festen Bestandteil der Persönlichkeit zu machen. Dabei sind unter anderem auch neuere Computerprogramme hilfreich, die in abwechslungsreicher Form kleine oder größere Fortschritte zu bewirken und zu erleben gestatten.

Die Lichttherapie hat sich als sehr wirksam bei saisonabhängigen Depressionen (SAD) erwiesen. Es handelt sich hierbei um Depressionen, die jeweils im Herbst/Winter auftreten, während es im Frühjahr/Sommer den Patienten oft ausgesprochen gut geht. Die Lichtexposition erfolgt über ein Feld von Leuchtstoffröhren mit einer Stärke von 10.000 Lux. Die Lichtquelle umfasst das gesamte Spektrum des Sonnenlichts mit Ausnahme der UV- Strahlung. Die Wirkung wird über das Auge erzielt: Der Patienten muss jede Minute mehrere Sekunden in das Licht schauen. Die Lichtimpulse werden über die Sehbahn in bestimmte Bereiche des Hypophysen-Hypothalamus-Pinealis-Systems geleitet, in denen sie bestimmte Neurotransmitter beeinflussen.

Paarbeziehungen und Familienbeziehungen sind durch ihre stützende Funktion besonders geeignet, die Zufriedenheit und Gesundheit des Menschen zu fördern. Andererseits erfüllen sie oft nicht die in sie gesteckten, manchmal überhöhten Erwartungen. Bei psychischen Störungen sind Paar- und Familienbeziehungen einerseits eine wichtige Quelle der Unterstützung und Besserung, andererseits sind sie besonderen Belastungen ausgesetzt. Die Paar- und Familientherapie ist bestrebt, den Teilnehmern bei der Wiederherstellung einer offenen, entwicklungsfähigen und stützenden Beziehung zu helfen.

Psychische Erkrankungen führen oft zu zwischenmenschlichen Problemen. Nicht selten sind aber auch Schwierigkeiten oder Unsicherheiten im zwischenmenschlichen Bereich Auslöser für psychische Erkrankungen oder begünstigen solche. In der Rollenspielgruppe wird an Hand von konkreten Situationen ein günstiges, selbstsicheres Verhalten eingeübt.
Eng eingebunden in das multiprofessionelle Behandlungsteam ergänzt die psychosoziale und sozialrechtliche Beratung des Sozialdienstes die therapeutischen Maßnahmen der Tagesklinik. Hierbei stehen insbesondere lebensweltorientierte, alltagspraktische und sozioökonomische Themen im Mittelpunkt, welche sich aufgrund der psychischen Erkrankung ergeben haben oder sich auf diese auswirken können:
- Finanzielle, berufliche, häusliche oder familiäre Fragestellungen (z.B. Schuldenregulierung, berufliche Wiedereingliederung, Haushaltshilfe/Familienpflege)
- Sozialrechtliche Fragestellungen (z.B. Rehabilitation und Teilhabe, Krankenversicherung, Kinder- und Jugendhilfe, Grundsicherung, Arbeitsförderung, Sozialhilfe, Rentenversicherung)
- Komplementäre Psychiatrie (z.B. Betreutes Wohnen, Kontakt- und Beratungsstellen, Tagesstätten)
- Koordination und Vermittlung externer Beratungs- und Unterstützungsangebote (z.B. Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen)
- Tages-, Freizeit- und Kontaktgestaltung (z.B. ehrenamtliches Engagement)
In dieser Gruppe werden Essprotokolle der einzelnen Patientinnen und Patienten vorgestellt, gemeinsam reflektiert und diskutiert.

Einmal wöchentlich findet das angeleitete, gemeinsame Kochen und Essen statt. Dadurch wird ein angstfreier und positiver Umgang mit Nahrungsmitteln gefördert und auch Ernährungswissen praktisch vertieft. Darüber hinaus wird jedes Frühstück und Mittagessen therapeutisch begleitet.
In der Gruppe zur Bewältigung von Essstörungen werden für eine Essstörung relevante Themen bearbeitet. Dies sind z.B. das Verändern ungünstiger Denkweisen, das Erkennen und Äußern von Gefühlen, der Umgang mit perfektionistischen Ansprüchen in Hinblick auf die eigene Leistung und das eigene Aussehen, die Förderung der eigenen Körperakzeptanz, aber auch spezifische Aspekte zum Thema Ernährung und Essen.